Christian Hartmann: Hattingen-Historisch


Burg Blankenstein

Bildquelle: Wikipedia, Urheber: Sir Gawein



Graf Adorf von Altena (1191-1249), ein Vetter des Isenbergers, der sich später nach einem altenaischen Oberhof bei Hamm " Graf von der Mark" nannte, beteiligte sich an der Vollstreckung der Reichsacht gegen den Isenberger auf der Kölner Seite. Er wurde dafür mit dem größten Teil der isenbergischen Besitzungen von dem Nachfolger Engelberts belehnt, der als Herzog von Westfalen gleichzeitig die Erlaubnis zum Bau der Burg Blankenstein an der Ruhr erteilte.

So sehr es dem Grafen Adolf von der Mark und seinem ersten Burgdrosten Ludolf von Boenen als Befehlshaber der Streitkräfte in diesem Landesteil darauf ankam, einen festen Stützpunkt zu gewinnen, ließ dennoch die gebotene Eile damals keine Zeit zu umfangreichen Anlagen oder Ausschmückungen.

Damals floss die alte Ruhr noch am Fuße des Burgberges und gestattete, solche Teile von der zerstörten Isenburg nahe heranzubringen, also behauene Quader für die Torecken, die Kanten an den Mauern und Fenstern. Vielleicht ließ der Graf auch einen besonderen Stein als symbolisches Kennzeichen der Unterwerfung herüberholen. So ist es nicht verwunderlich, dass sich die Überlieferung, die Burg Blankenstein sei aus Trümmern der Isenburg errichtet worden, bis heute gehalten hat. Es ist aber sicher, dass die Masse der Steine zum Bau der Burg Blankenstein beim Ausbrechen der Burggräfte des damals etwa 25m tiefen Halsgrabens angefallen ist. Graf Engelbert I., der von 1249-1277 regierte, erweiterte die Festungsanlagen. Durch seinen Drosten Bernd Bitter ließ er den „Graf-Engelbert-Turm“ erbauen, der aber schon etwa 300 Jahre später wieder abgerissen werden musste. In dieser Zeit scheint auch die Burgkapelle entstanden zu sein. Am Pfingstfest des Jahres 1321 empfing Graf Engelbert II. die Abgesandten Bochums und überreichte ihnen die Urkunde, die Bochum die Stadtrechte erteilte.

In der Folgezeit war das Leben der tapferen Burgmannen ausgefüllt mit vielen Fehden. Da war zunächst Graf Engelbert III. (1347-1391), und dessen kampflustiger Nachfolger Graf Dietrich (1391-1398), die ihren Truppen selten Ruhe gönnten. Die bauliche Vollendung der Burg fällt in die Zeit des Grafen und Herzogs Adolf III. (1398-1448). Unter seiner Herrschaft wurde zu Beginn des 15. Jahrhunderts ein neues Herrenhaus im Innenhof der Burg errichtet. Sein Sohn, Herzog Johann I. von Kleve, erhielt 1461 das volle Verfügungsrecht über die Grafschaft Mark. Er verpfändete Burg und Amt Blankenstein an den Drosten Kracht Stecke. Nach dessen Tod übernahm sein Sohn Johann das Drostenamt. Zu dieser Zeit stürzte die Prunksucht des Herzogs Johann II. das Land in große Schulden. Mit der leeren Hofkasse hing es auch zusammen, dass die Burg immer baufälliger wurde und an einigen Stellen Ausbesserungen vorgenommen werden mussten. Als Johann Stecke 1494 die Burg verließ, um das Amt des Burggrafen von Dortmund zu übernehmen, wurde die finanzielle Situation keinesfalls besser. Auch unter den nachfolgenden Drosten und Grafen erreichte die Burg nie wieder ihre alte Bedeutung.

Im Jahre 1614 besetzten erstmals seit bestehen der Festung feindliche, spanische Truppen die Burg Blankenstein. Mit dem 30-jährigen Krieg war es dann mit der Burgenherrlichkeit endgültig vorbei. Im Jahre 1637 wurde das Drostenamt an Johann Georg von Syberg übertragen. Sein Name hat in der Geschichte Blankensteins keinen guten Klang. Unter seiner Herrschaft verfiel die einst so stolze und ruhmreiche Burg immer mehr. Etwa 10 Jahre bewohnte er die Burg Blankenstein. 1647 verlegte er seinen Sitz nach seinem Erbgut, Haus Kemnade. Von hier aus sah er befriedigt zu, wie die Schäden an der benachbarten Burg immer deutlicher sichtbar wurden. Seine ganze Sorge galt dem Aufbau und der Befestigung seines Familienbesitzes Kemnade. So arbeitete er Jahr um Jahr auf die Beseitigung der schönsten Ruhrburg hin.

Im Jahre 1662 endlich wurde auf Befehl des Kurfürsten Friedrich Wilhelm der Abbruch der Festung verfügt. Den viereckigen Schlossturm, der der Vernichtung widerstanden hatte, bewohnten von 1771 an die Familien Wolfshagen und Kortwich. Etwa im Jahre 1800 baute Wolfshagen aus den Steinen und Materialien der Burg ein Wohnhaus, unweit des Turmes, in dem seine Nachkommen wohnten. Kortwich verkaufte seinen Anteil im Jahre 1842 an den Kaufmann Forstmann. Im Jahre 1860 erwarb die Familie vom Stein das Burggelände und gründete hier eine Fabrik. Die Stadt Bochum, jetziger Besitzer der Burg Blankenstein, ließ notwendige Renovierungsarbeiten am Bergfried ausführen. Seit dem Frühjahr 1971 sind die Arbeiten abgeschlossen und der Turm ist wieder zu besteigen.