Christian Hartmann: Hattingen-Historisch


Hermann Märcker, Pfarrer und Chronist in Hattingen

Unter den Beständen der Hattinger Archive, die sich auf die Zeit des Dreißigjährigen Krieges beziehen, nehmen die Aufzeichnungen des lutherischen Pfarrers Hermann Märcker einen besonderen Platz ein. Sie enthalten neben wichtigen Eintragungen aus dem kirchlichen Gemeindeleben auch viele "denkwürdige, historische Notizen", mit deren Hilfe der Lokalhistoriker ein deutliches Bild jener turbulenten Jahre während des langen Krieges entwerfen kann. Diese Darstellungen, die allgemein unter der Bezeichnung "Märckersche Chronik" bekannt geworden sind, werden im Archiv der evangelischen Kirchengerneinde Hattingen aufbewahrt. Eine Gesamtveröffentlichung ist bisher nicht erfolgt. Auch in den Archivallen des Stadtarchivs und in dem Archiv des Heimatvereins finden sich Hinweise auf das Leben und Wirken des bedeutenden Pfarrers.

Hermann Märcker entstammte einer angesehenen Bürgerfamilie der Ruhrstadt. Sein Vater Johann Fröling, genannt Märcker, war viele Jahre Rentmeister und Bürgermeister seiner Vaterstadt. Die Mutter Anna Wysmann gehörte dem angesehenen Geschlecht "op der Wys" an. Ihr Vater Erasmus Wysmann hatte seit Mitte des 16. Jahrhunderts als Pastor in Hattingen für die neue Lehre gewirkt.

Herman wurde am 23. Januar 1583 geboren und bereitete sich in der lutherischen Stadtschule, Nachfolgerin der alten Lateinschule der Stadt, auf sein theologisches Studium vor. Schon als Student wurde er zum Vikar St.-Stephanur Vikarie gewählt, einer Stiftung der Familie Wysmann. Seine erste Pfarrstelle wurde ihm im Jahre 1606 in dem zwei Wegstunden von Hattingen ruhraufwärts gelegenen Herbede übertragen, wo er die lutherische Lehre einführte und festigte. 1613 folgte er einem Ruf als Pfarrer in seine Vaterstadt.

Hier fand er in den folgenden Jahren reichlich Gelegenheit, als eifriger Glaubenskämpfer zu wirken und in den Wirren der schrecklichen Kriegsjahre der jungen Gemeinde Vorbild und Stütze zu sein. Selbst in den schwersten persönlichen Bedrängnissen, als die Kirche versperrt wurde und er sogar den Wedemehof räumen mußte, fand er immer wieder Möglichkeiten, der Gemeinde ein wahrer Seelsorger zu sein, indem er Gottesdienst und Gebetstunden im Stadtweinhaus oder in Bürgerhäusern durchführte. In den schlimmsten Notzeiten zog er gar mit seinen Gläubigen nach Stiepel, jenseits der Ruhr gelegen, um dem Gottedienst in der dortigen Kirche beizuwohnen.

Auch seine organisatorische Tätigkeit als Pfarrer ist zu erwähnen, legte er doch in Zusammenarbeit mit seinem Amtsbrüdern eine genaue Ordnung der kirchlichen Dienstobliegenheiten fest. Für den Genealogen sind ferner die Eintragungen von Taufen, Kopulationen und Sterbefällen wichtig, die von ihm seit dem Jahre 1614 regelmäßig vorgenommen worden sind und noch heute in dem ältesten luthe­rischen Kirchenbuch vorliegen.

Neben dieser vielseitigen Tätigkeit, die sein Kirchenamt von ihm forderte, wandte sich Märcker mit gleicher Liebe auch den geschichtlichen Gegebenheiten zu, die das Kirchspiel Hattingen und die angrenzenden Bezirke betrafen. Auf vielen Blättern finden sich seine "denkwürdigen", gut lesbaren Eintragungen, die sich sowohl auf die Orts- als auch auf die Landesgeschichte beziehen. Bemerkungen über Rechtspflege und Brauchtum, Schenkungen und Renten sowie Geschlechts folgen von Bürger- und Adelsfamilien mit ihren Wappenzeichen aus der Stadt und den umliegenden Bauerschaften bieten dem Heimatforscher immer neue Aufgabenbereiche. Vor allem aber sind die lebendigen Schilderungen über das Leben der Bevölkerung während des 30jährigen Krieges bedeutungsvoll.

Es war diesem begnadeten Mann der Ruhrstadt Hattingen nicht vergönnt, seine vielseitigen Aufgaben zu Ende zu bringen. Er starb kurz vor der Vollendung seines 47. Lebensjahres am 23. Januar 1630, seine Chronik aber gilt als wichtige Geschichtsquelle des Hattinger Raumes.