Christian Hartmann: Hattingen-Historisch


Der Marktbezirk

Eine alte Heer- und Handelsstraße durchzog ehemals den Hattinger Raum und führte in älterer Zeit bei Blankenstein und später bei Hattingen über die Ruhr. Dieser Tatsache und seiner Lage im westlichen Grenzgebiet der Grafschaft Mark mit Angrenzung an das Kurkölnische Territorium verdankt Hattingen seine Ausstattung mit Privilegien, besonders durch die Grafen von der Mark. Hattingen entwickelte sich zu einem Handelsplatz, der nicht nur im Regionalhandel eine Rolle spielte, sondern auch eine gewisse Fernhandelsfunktion zu erfüllen hatte.

Diese Handelstätigkeiten wurden wohl auf einem Markt abgewickelt. Auch in Hattingen wird in zeitgenössischen Quellen über einen solchen Markt innerhalb des Stadtgebietes berichtet. Dieser hat offensichtlich im Bereich des heutigen Unter- bzw. Obermarktes gelegen.

Der Hauptumschlagplatz für den Fernhandel wird der heutige Obermarkt gewesen sein. Hier lagen neben dem Weinhaus mehrere Bürgerhäuser und auch ein größeres Gut mit entsprechenden Nebengebäuden.

Die Bebauung des Untermarktes war im Gegensatz dazu sehr aufgelockert und bestand zum größten Teil aus Gütern. Dies spiegelt sich auch noch in dem Altersschichtenplan wieder. Am Untermarkt konnte kein Haus vor 1700 ermittelt werden, am Obermarkt hingegen mehrere.

Auch eine Eintragung des Pastors Mercker weist darauf hin, dass der Obermarkt allgemein als "der Markt" verstanden wurde. Im Urkataster von 1824 wurde die Bezeichnung "Markt" auf den heutigen Obermarkt gesetzt, der Untermarkt hat keine besondere Benennung.

Historisch nachgewiesene Gebäude:

Albertz Haus
Gut zum Bartscherer
Goßens Haus
Haus up dem Berge
Guedeken to dem Copmanne
Gut Werwech
Gut tho dem Hillebrandt
upten Plasse/Gut zum Summelberghe
Rehes Gut
Reinckes Haus
Slotmechers Haus
Haus der Stadtwaage

Zur Siedlungsgeschichte:

Bis Anfang des 15. Jahrhunderts wurde der Marktbereich nur durch Güter geprägt, mit Ausnahme des Hauses von Hermann dem Becker vor dem Markt und Volbertz Haus vor dem Kirchhof. Auf die weitere Gestaltung wirkte sich besonders zu Beginn des 15. Jahrhunderts die Vergabe von Privilegien an die Stadt aus (1406 Weinzapf, 1420 Fleischhalle, 1435 Wochen- und Jahrmarkt, 1478 Stadtwaage). Für diese Zwecke sind neue Gebäude errichtet worden, wie Weinhaus, Fleischhalle und Stadtwaage.

Zu dieser Zeit wurde die Stadt mehrfach bei kriegerischen Auseinandersetzungen verwüstet und 1424 von den Bergischen belagert und verbrannt. Nur die Kirche und 2 Häuser überstanden das Feuer.

Bei der Vergabe der am Markt gelegenen und erwähnten 5 Güter wird, so in den Gewinnbriefen, zwischen 1443 und 1456 darauf hingewiesen, dass der Platz neu bezimmert und die noch vorhandenen Gebäude ausgebessert werden mussten.

Das am Obermarkt liegende Weinhaus ist bereits 1416 erwähnt. Es stand an der Stelle der ehemaligen reformierten Kirche, von der heute nur noch der Turm erhalten ist. Zum Weinhaus, das zu Naelmans Zeiten von Heinrich van Engehusen bewirtschaftet wurde, gehörte noch ein Hof und eine Scheune. In näherer Umgebung befand sich das "Guede thum Werwech", das zu Naelmans Zeiten "Schriivers hueß" und im 17. Jahrhundert nach seinem Besitzer aus dem 16. Jahrhundert "Tilmans Gut" genannt wurde. Auch zu diesem Gut gehörten mehrere Gebäude, wobei wohl nur das Wohnhaus zum Markt hin gelegen hat. Dieses Gut war zur einen Hälfte dem Hause Cliff und zur anderen der Stadt Hattingen abgabepflichtig. Ab 1600 werden von diesem Gute mehrere Hausstellen verkauft, die teilweise hinter dem Hause am Markt legen. Dies waren im 16. Jahrhundert die einzigen nachweisbaren ländlichen Anwesen am Obermarkt; bei den anderen Häusern wird es sich um Bürgerhäuser gehandelt haben. Am Untermarkt sah die Bebauung anders aus. An der Stelle des späteren Rathauses stand die Fleischhalle. Seit ca. 1420 ist ihre Lage vor dem Kirchhofe belegt.

Die weitere Bebauung des Untermarktes besteht zum größten Teil aus Gütern. Bereits 1450 wird über das "Gude to dem Bartscher an dem Marckede" berichtet; 1601 nach der Erstellung des Rathauses bezeichnet eine Eintragung ins Lagerbuch die Lage dieses Gutes noch genauer "Gutte zum Bartscher, gelegen an dem Marckede beneben dem Rhathauß". Hier wird eindeutig der als Markt bezeichnete Platz als der heutige Untermarkt gekennzeichnet.

Neben dem Gut zum Bartscherer wird um 1450 das "Gudeken geheiten to dem Copmanne", später "Broickers Gut " und das "Gude tho dem Hillebrande" genannt, deren Lage am Markt bezeichnet ist. Daneben lagen noch einige "wüste" Grundstücke, so z.B. die beiden Plätze "op dem Plasse" und "tho dem Summelberghe", die 1524 von Katharina van Lyndenhorst, Witwe des Grafen Johan Stecke an die Stadt Hattingen verkauft werden. Diese beiden Plätze wurden vor 1592 bebaut, wobei auf einem Platz ein Gut entstand.

Diese Güter bestanden zum größten Teil noch bis 1700. Das Gut zum Bartscherer kann noch bis 1775 und das zum Copmann bis 1725 verfolgt werden. Der Untermarkt war also im 16. Jahrhundert mit einer sehr lockeren Bebauung umgeben, die durch die Güter geprägt war.

Seit der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts verlagerten sich die Aktivitäten innerhalb der Stadt zum Untermarkt hin. 1567 versammeln sich Bürgermeister und Rat der Stadt Hattingen über der alten Fleischhalle, über den Tagungsort vor 1567 geben die Quellen keine Auskunft. Es ist möglich, dass die Ratsversammlungen im Weinhaus stattgefunden haben, denn das Weinhaus und auch "Stamms steinern" Haus waren wohl die einzigen Gebäude innerhalb der Stadt mit einem größeren Raum, der sich für Versammlungen eignete. Im 30 jährigen Krieg war des öfteren die Stadt von Söldnern belagert und die Kirche besetzt worden, so dass die Gottesdienste "auff dem Weinbaus" abgehalten werden mussten.

1576 wurde die alte Fleischhalle durch das neue Rathaus ersetzt. Beim Bau des Rathauses im November 1576 kam es zu einem Zwist zwischen dem Rat der Stadt Hattingen und unmittelbaren Anwohnern, dem Herrn Reinhardt zum Laeck und Fiene Stuitkens. Herr zum Laeck sah beim Aufrichten des "getimmers", dass der "druppenfalle" ihm zum Nachteil gereiche und Schaden an seiner "Behusung vur den hallen" anrichten könne.

Man behandelte diese Angelegenheit vor dem Rat und einigte sich dahingehend, dass das Regenwasser vom Dach aus in eine "götte" geleitet werde, ehe es das nahe liegende Haus vor den Hallen erreiche und somit keinen Schaden verursachen könne.

Dieser Streit hat aber wohl die Fertigstellung des Rathauses hinausgezögert, denn inschriftlich und auch urkundlich ist bewiesen, dass mit dem Bau 1576 begonnen wurde, aber eine dendrochronologische Untersuchung einer Holzprobe aus dem Dachgerüst des Gebäudes ergab als Fällungsjahr 1579.

Anfang des 17. Jahrhunderts wurde die neue Stadtwaage zwischen Hillebrand Koetgen und Jahnn Plaßmann errichtet. Bereits 1471 erhielt die Stadt das Recht zur Errichtung einer Stadtwaaqe, um mit den dadurch entstehenden Einnahmen die Stadtbefestigung zu verbessern. An welcher Stelle diese erste Waage errichtet wurde, Ist nicht überliefert.