Christian Hartmann: Hattingen-Historisch


Blankenstein-Chronik von F.W. Motzfeld (1722)

AMTLICHE BERICHTE ÜBER DIE STÄDTE FREIHEITEN UND FLECKEN 1722
FREIHEIT BLANKENSTEIN

Lage
Offener Ort an der Ruhr, ohne Mauern und Tore, rings von felsigen Bergen und Büschen umgeben.

Privilegien
1. "Wan ein Auswendiger und Fremder in die Freiheit zu wohnen kommt, und ein Jahr und Tag ohnbesprochen darinnen wohnt, wird ihme die Bürgerschaft gegeben, und wan er Bürger ist, ob er gleich eigen, hof­hörig oder verpflichtet ist, kan die Freiheit denselben vertreten, daß er von solchem Eigentum, Hofhörigkeit oder sonsten , nichts schuldig, sondern davon entledigt ist."

2. "Den dritten Teil der Brüchten"

3. "Wan ein Auswendiger einem Bürger schuldig wäre und käme in die Freiheit und bezahlte den Bürger, so kan ein ander, deme er auch in der Freiheit schuldig sein mögte, denselben nicht bekümmern oder arrestiren, sondern es kan derselbe deme er bezahlt, den Schuldner wieder aus der Freiheit stellen, bis daß er auf ein ander Zeit wieder darinkomt. "

4. "Es mag ein Bürger des gnädigen Herrn Holzwagen folgen, und was liegen lassen, wie auch ander unfruchtbar Holz nehmen und gebrauchen."

Blüte und Verfall
Als das Amtshaus noch im Stande und mit Soldaten besetzt war, blühte die Freiheit, als es aber 1665 durch einen heftigen Brand fast ganz eingeäschert und dann später ganz abgetragen wurde, ging der Wohlstand zurück.

Bevölkerung
Nach dem Freiheitsbuch von 1609: 112, dagegen jetzt nur 77 Wirte, 89 Frauen, 95 Söhne und Töchter, 6 Knechte und Mägde, insgesamt 267 Personen.

Handwerk
10 Wollentuchmacher, Spinner und Stückwerker, welche aber wegen Unvermögenheit nicht für sich, sondern für die Hattingenschen Wollfabrikanten arbeiten, 1 Strumpfstricker, 7 Messerschmiede, 3 Grobschmiede, 5 Schnei der, 3 Schumacher, 3 Leineweber, 10 Maurer und Steinhauer.

Die meisten Handwerker, sonderlich die Wollspinner und Maurer, müssen in der Stadt Hattingen und benachbarten Orten "als Bergischen, Cöllntschen wie auch Essendischen Landen" des Sommers so viel verdienen, "daß sie davon des Winters subsidieren können sonst an diesem abgelegenen und ohnedem felsigten und dürren Ort ohnmöglich ihre Nahrung haben."

Öffentliche Lasten
"Deme ohnerachtet ist allhie die volle Akzise wie in den vornehmsten Städten eingeführt, welche sie jedoch nicht wohl bezahlen können, und muß die Akzisekasse bisweilen die Gelder aus Unvermögenheit der Akzisanten eine geraume Zeit borgen; und hat die kgl. Akzise allhie in ao.1719 aufgebracht 541 Rtlr. 34 1/2 Stbt., sonsten sind keine andere onera allhie vorhanden."

Die Kämmerei "hat auch keine Einkünfte, es mögte dan, welches doch wegen armseliger dieses Orts Gelegenheit selten geschieht, sich etwa einer niederlassen und die Bürgerschaft gewinnen."

Öffentliche Gebäude
1 lutherische und katholische Kirche, das Rathaus, 1 Schule, 1 Pastorat. Brücken und Dämme nicht vorhanden.

Gehölz und Mastung
Nur wenig Holz an Eichen und Buchen. Da 1709 die besten Mast tragenden Baume erfroren, "ist nach der Zeit die Mast nicht geraten, bringet auch nur 3.biswellen 5 Rtlr. auf."

Dörfer und Fischerei nicht vorhanden.

Feldmark
Wegen des steinigen Bodens Mangel an Bauland, Wiesen und Weiden. Das wenige, was sie haben, gehört dazu noch dem benachbarten Adel an. Ihr Vieh können sie auf die gemeine Waldemei treiben, "womit die arme Leute sich noch in etwa des Sommers retten."

Viehstand: 3 Pferde, 87 Kühe, 1 Esel.

Brauerei und Brennerei Verbrauch an Malz: 31 Wispel 18 3/4 Scheffel, an Branntweinschrot : 8 Wispel 12 Scheffel. "Schankkrüge sind nicht vorhanden, und nur 3 Zapfer oder Bierbrauer so aber wegen Mangel des Debics nur dan und wan brauen, auch zuwei­len mehr davon konsumiren als verkaufen." 4 Branntweinblasen, "welche eingemauret und den Bürgern selbst zuständig sein.

Wolle
"An Wolle ist nichts als was die vorhande Wollarbeitere aus den nechsten Örtern und in specie aus der Stadt Hatnegen vor andere zu verarbeiten, geholet, und darab ihren Unterhalt gesuchet, eingekommen."

Schulden
Passivschulden aus den Kriegszeiten: 518 Rtlr.; die Interessen werden mit den gewährten Zuschußgeldern bezahlt. Aktivschulden nicht vorhanden.

Feuerrüstung
15 Ledereimer, 6 Haken, 6 Leitern; wegen der vielen Strohdächer sind eine Feuerspritze und eine größere Anzahl Eimer dringend nötig, doch fehlen die Mittel. 25 Brunnen in gutem Stand.

Fehlende Handwerker
Es können sich keine mehr niederlassen, da die vorhandenen sich schon auswärts nach Arbeit umsehen müssen, um ihren nötigen Lebensunterhalt zu verdienen.

Besserungsungsvorschläge
Da das Amtshaus, seit dessen Brand und Abbruch die Verarmung eingetreten, nicht wieder aufgebaut werden kann, können keine anderen Mittel vorgeschlagen werden, zumal der Ort abgelegen und die Bewohner unbemittelt sind, wenn der König nicht die Akzise, wie in Hagen und Herdecke, herabsetzen will.

Hattingen, den 26. März 1722

F.W. Motzfeldt