Christian Hartmann: Hattingen-Historisch


Hof Schierholz

In der Nähe des Sprockhöveler Baches, dessen Äcker und Wiesen durch die erheblichen Veränderungen im Bachtale teilweise verschüttet oder bebaut werden, liegt der Hof "Im Schierholz". Die Anlage des Hofplatzes trägt sowohl in der Anordnung der Gebäude als auch in der Bauweise ganz sächsisches Gepräge. Auf das beträchtliche Alter des Siedlerplatzes deutet die Art seiner Anlage hin. Als der Bach in der früheren vorgeschichtlichen Zeit infolge des Waldreichtums unserer Heimat noch reichlich Wasser führte, konnte man es nicht wagen, auf dem Talgrunde eine Heimstätte anzulegen, ohne jährlich von Überschwemmungen bedroht zu sein. Darum errichtete man den Hof auf der ersten Anhöhe in der Nähe des Wasserlaufes. Hier begann schon der Wald, der die Siedlungen am Bachtale von denen jenseits der Berge trennte, und so ist denn auch die Hofbezeichnung zu deuten, denn in der Bezeichnung "Schür" verbirgt sich der Sinn für die Grenze.

Das Wohnhaus des Hofes, das nach seiner Beschaffenheit wohl 200 Jahre alt sein mag, wurde an dem gleichen Platz errichtet, wo auch schon die alte Siedlerstätte gelegen hatte. Das weitläufige Gebäude mit seinem spitzen Giebeldach und dem großen Deelentor in der Schmalwand des Hauses ist ganz nach der Art der Sachsen angelegt. An die ausgedehnte Halle im altsächsischen Hause, in der sich bei den Mahlzeiten, am Feierabend und bei festlichen Gelegenheiten alle Hofbewohner versammelten, erinnert noch die zweite Deele, auf der zwei Erntewagen Platz haben. Auch die Anordnung der übrigen Gebäude ist ganz auf sächsische Siedlungsweise abgestimmt. Unsere Vorfahren liebten nicht die enge dörfliche Gemeinschaft. Sie legten ihre Höfe vielmehr einzeln an, eine Tatsache, die zum Teil auch in der Na­tur der Landschaft bedingt ist. Mit dem vorhandenen Raum brauchte man nicht zu geizen, und so entstanden dann die weitläufigen Hofplätze, die in unserer Heimat so häufig zu finden sind. Das in Ruhr­sandstein aufgeführte Backes ist ein Erzeugnis jüngerer Zeit und paßt eigentlich nicht mehr zu der Art der übrigen Gebäude. Sicher hat aber an seiner Stelle in früheren Jahrhunderten noch das kleine Backes gestanden, wo im richtigen Bauernofen das gesunde Schwarzbrot gebacken wurde.

Bis zum Jahre 1939 gehörte der Hof "Im Schierholz" zu der Gemeinde Welper, zu deren Bauernschaft er auch nach seiner Entstehungsgeschichte zu rechnen ist. Heute ist er einer der wenigen bäuerlichen Siedlungsplätze im Stadtgebiet Hattingen. Seine Lage an der Stadtgrenze rechtfertigt erneut seinen Namen. In alter Zeit war er mit der Stadt durch den Blankensteiner Weg verbunden, der vom Heggertor her über den "Vinkenbrink" am oberen Schierholz vorbei nach Blankenstein führte. Der Bau der Landstraße durch das Ludwigstal im Jahre 1864/65 rückte ihn noch näher an das Verkehrsnetz der Heimat heran. Neue Siedlungen und industrielle Anlagen engten seinen Landbesitz immer mehr ein, der Charakter seiner Hofanlage aber blieb unberührt. Möge sein Bild unserer heimischen Landschaft noch lange erhalten bleiben.