Christian Hartmann: Hattingen-Historisch


Pestjahre in Hattingen

Siehe auch Der "schwarze Tod" (1619) in Hattingen

Die Pest trat seit mindestens 3000 Jahren immer wieder epidemienartig auf. Ausgangspunkt der Krankheit waren meist die zentralasiatischen Hochsteppen. Seit 224 v. Chr. wurde in China von Pestepidemien berichtet, und auch im antiken Griechenland war bereits eine pestartige Krankheit bekannt. Vom 6. bis zum 8. Jahrhundert wurde Europa von den ersten Pandemien (Epidemien großen Ausmaßes) überrollt. Die verheerendste, größte Pandemie suchte von 1347 bis 1352 ganz Europa heim. Die Epidemie hatte 1347 von Nordafrika auf Sizilien übergegriffen und sich im Lauf der folgenden drei Jahre über ganz Europa bis nach Island ausgebreitet. Der „Schwarze Tod”, wie man diese Epidemie im Nachhinein bezeichnete, forderte schätzungsweise 25 Millionen Todesopfer, d. h. etwa ein Drittel der Bevölkerung, entvölkerte ganze Ortschaften und Landstriche und hatte tief greifende Auswirkungen auf das Weltbild der mittelalterlichen Menschen und auf das Wirtschaftsleben.

Bis ins 18. Jahrhundert flackerte die Pest in Europa immer wieder in unterschiedlicher Ausprägung auf; die letzte große Epidemie ereignete sich 1665/66 in London und forderte hier Zehntausende Todesopfer. 1894 nahm eine erneute Pandemie in China ihren Ausgang. Durch Handelsschiffe wurde die Pest von Hongkong und Bombay aus in praktisch alle großen Häfen der Welt exportiert, kam nach Afrika, zu den pazifischen Inseln, nach Australien und Amerika; 1900 erreichte sie San Francisco.

Heute tritt die Pest noch vereinzelt in Asien, Afrika, Südamerika und Australien auf; in Europa und Nordamerika ist sie so gut wie verschwunden.

Die ersten Symptome der Beulenpest sind Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Gliederschmerzen und ein allgemeines Unwohlsein. Die Lymphknoten in der Leistenbeuge oder (seltener) in den Achselhöhlen und am Hals schwellen plötzlich an und schmerzen. Das Fieber ist von Schüttelfrost begleitet und steigt auf 38,3 bis 40,5 °C. Puls und Atmung sind beschleunigt, und der Kranke wirkt erschöpft und teilnahmslos. Die Beulen schwellen bis zur Größe eines Hühnereies an. Falls die Krankheit nicht tödlich verläuft, geht die Temperatur nach etwa fünf Tagen zurück, und etwa zwei Wochen später hat sie wieder den Normalwert erreicht. Andernfalls tritt nach etwa vier Tagen der Tod ein.

Bei der primären Lungenpest tritt zunächst schleimiger, mit dunklem Blut durchsetzter Auswurf auf, der später dünnflüssig und hellrot wird. Der Tod tritt in den meisten Fällen zwei bis drei Tage nach dem Auftauchen der ersten Symptome ein. Die primäre Pestsepsis zeigt sich zunächst durch plötzlich einsetzendes, hohes Fieber; innerhalb einiger Stunden färbt sich die Haut der betroffenen Person dunkelrot, und oft stirbt der Kranke noch am selben Tag. Die dunkelrote Farbe, die bei allen Pestkranken kurz vor dem Tod auftritt, ist Folge des Atemversagens; sie hat der Pest den bekannten Namen „Schwarzer Tod” eingebracht.