Christian Hartmann: Hattingen-Historisch


Der Steinhagenbezirk

Das ehemals vor dem südlichen Stadttor liegende Gut "dye Steynhagen" wurde für dieses Stadttor und für den gesamten in unmittelbarer Nähe liegenden Stadtbereich namensgebend.

Die vom Tor zum Kirchplatz führende Straße wurde im 16. Jahrhundert "amm Steynhagen" und seit 1709 als "Steinhagenstrasse" bezeichnet. Der zum Teil sehr dicht besiedelte Steinhagenbezirk ist durch umliegende Güter, wie den nördlichen Wedemenhof und das westliche Bruchgut, von den anderen Siedlungsbezirken getrennt und zeigt eine andere bauliche Struktur als die übrigen Bereiche der Stadt. Durch die hier errichteten beiden Stadthäuser der von Clyff und mehrere kirchliche Gebäude kann dieser Bezirk als kirchlich/herrschaftlich bezeichnet werden.


Historisch nachgewiesene Gebäude:

Stadthaus Cliff
Vikarien
Haus d. grauen Mönche
Gut auf dem Kolcke
Gut zu dem gr. Abelen
Johan Slotmeckers Haus


Zur Siedlungsgeschichte:

Der größte Teil der Grundstücke und Gebäude gehört in den Besitz des Hauses Clyff, einige sind auch in städtischem Besitz. Aus dem 15. Jahrhundert ist aus diesem Stadtgebiet wenig überliefert. Vor dem Steinhagentor befand sich der Hof "die Steynhagen", der direkt vor dem Tor lag. Im 15. Jahrhundert wird noch das "gudeken to dem groten Abelen" genannt. Wie spätere Quellen zeigen, haben darüber hinaus einige teils kleinere, teils auch größere Höfe und Güter in diesem Bezirk bestanden (z.B. Op dem Oever); Haus und Gut thoe des Suerenhuyß.

Durch die Naelmansche Chronik ist dieser Stadtbezirk besonders gut für die Zeit von 1525 - 1551 dokumentiert. Naelman grenzt diesen Bezirk in etwa wie folgt ein: Westlich wird er durch Flachsmarkt und Bruchtor, nördlich durch den Kirchplatz, südlich und südöstlich durch die Stadtbefestigung bis hin zum Holschentor begrenzt.

Die systematische Aufnahme Naelmans erlaubt, die Hausangaben schon einigermaßen genau, wenn auch nicht auf Parzellen, zu lokalisieren. Er beginnt mit seinen Aufzeichnungen hinter dem Chor der Georgskirche im Kirch-/Emschestraßenbereich, geht bis zum Wedemehof, ' zum Hoelschentor und Emschestraße und dann entlang dem Steinhagen, wobei zurückliegende Häuser mit eingeflochten werden. Es folgen die außerhalb der Stadt vor dem Steinhagentor liegenden Güter und hiernach die Besiedlung in der Nähe des Bruchtores.

Hinter dem Chor der Kirche, im Bereich Kirch-/Emsche-/Talstraße, stand das alte und neue Clyffer Stadthaus. In den Zeiten, als Hattingen "noch ein dorff war", soll hier der Bruder des Herrn von Hattingen gewohnt haben. In unmittelbarer Nähe lag das Haus der Dominikaner, "Haus der grauen Mönche" genannt, und nicht, wie von Freisewinkel angenommen, am Haldenplatz (Freisewinkel 1971, S. 11). Es geht auf eine Schenkung von 1411 des Grafen Adolf von der Mark zurück.

Auf der östlichen Seite des Steinhagens erstreckt sich der St. Catharinen Hof, der bis zu Johan Krueses Haus und Hof "up der Emscher" reicht. Links und rechts wird er durch das Keelhagener Haus mit Hof und durch Jörgen Rydders Haus und Hof begrenzt. Der St. Catharinen Hof ist nicht das einzige Vikariengebäude in diesem Stadtbezirk. Es konnten neben der St. Anthonius Vikarie am Graben noch weitere 4 Vikarien ermittelt werden. Diese kirchlichen Gebäude, die dieses Gebiet besonders mitprägten, müssen teilweise, wie aus den Schenkungsurkunden zu entnehmen ist, schon im 15. Jahrhundert vorhanden gewesen sein.

Zu Naelmans Zeiten war dieses Gebiet bereits sehr dicht besiedelt. Etwa 60 Häuser gehörten allein in den Besitz des Hauses Clyff. Allein am Steinhagen sind bis 1550 mind. 12 Häuser festzustellen. Ein Vergleich mit der heutigen Bebauung (20 Hausgrundstücke) zeigt, dass der Steinhagen schon recht eng bebaut war. Westlich des Steinhagentores lag ehemals der Hof "ufm Over", der den von Heiden gehörte. Bereits zu Naelmans Zeiten war ein Teil dieses Hofes bebaut und denen von Clyff überlassen. Der Hof selbst, "op dem Oever van oeldes geheyten", bestand aber weiterhin. In der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts entstanden hier weitere Häuser.

Anno 1539 errichteten sich Arndt Jacobs und seine Frau Druede am Steinhagen neben ihrem alten Haus ein neues Gebäude. Auch in anderen Bereichen dieses Bezirks kam es zu lebhafter Bautätigkeit. 1550 entstand hinter dem bestehenden alten Haus das neue Vroemyssenhaus und, bereits einige Zeit früher das neue Clyffer Haus. Alle 3 Häuser waren der Familie Naelman zur Pacht gegeben worden, wobei Conradus Naelman, der Ersteller der Chronik, das alte Vroemyssen Haus empfangen hatte. Das alte Clyffer Haus wurde an Henrick Geller gegeben. Hier ist vielleicht interessant, dass für das neue Haus jährlich 3 und für das alte jährlich 2 rader Gulden gezahlt werden mussten. Aber nicht nur herrschaftliche Gebäude, wie das Clyffer Haus, und kirchliche Gebäude liegen in diesem Bezirk, sondern auch, vielleicht jedoch vereinzelt, Unterkünfte einfacher Bürger, wie eine Eintragung ins Lagerbuch von 1575 zeigt. So lag neben der St. Anthonius Vikarie eine baufällige Stallung, die sich die Eheleute Johann und Annen Slotmeckers zu einer Wohnung hergerichtet hatten. Sie hatten eine Schmiede angezimmert, ein Gärtchen bestellt und Einzäunungen errichtet. Ein späterer Zusatz bezeichnet das "Huisken, Smitte und gertgenn, butenn einige Innsperungen" als am Steinhagen gelegen. Hinter dem Wedemehof waren kleine sogenannte "hoeffken" errichtet worden. Das eine Anwesen gehört in Arndt Jacobs Besitz dem "Guede tho des Suerenhueß", ein weiteres, neben diesem Höfchen gelegenes, ist im Gewinn des Beckmanschen Hauses am Steinhagen, in dem zu der Zeit Arndt Hoelsche wohnte.

Weitere Angaben über Häuser der sogenannten "unteren Schicht" waren für dieses Gebiet nicht zu ermitteln.