Christian Hartmann: Hattingen-Historisch


Der Weilerbezirk

Hattingen zählte zu dem kölnischen Quartier (Bezirk) der Hanse, wie 1554 auf dem Hansetage des Kölner Quartiers zu Niederwesel anerkannt wurde, und sein Handel war so stark, dass ein eigenes Stadtviertel der Kaufleute, das so genannte Krämersdorf, im Ort entstand. Dieses heute noch so genannte Viertel zwischen Großer und Kleiner Weilstraße, Gelinde und Untermarkt, wird auch im Urkataster von 1824 als "Kramers Dorf" und die Große und Kleine Weilstraße hier als "unterste und oberste Weilstraße" bezeichnet. Der Name "Weylstraeten" erscheint bereits bei Naelman, es wird aber nicht zwischen unterste und oberste unterschieden.

Ähnlich wie beim Steinhagener Bezirk geht auch hier der Name "Weiiler Geschichte" (Naelman) auf den Stadttornamen zurück. Dieser hat seinen Namen wiederum von einem ehemaligen vor der Stadt liegenden Gute und einer Mühle übertragen bekommen. Der durch dieses Weiler Tor laufende Weg führte vorbei an dem Hause Clyff zur nahe liegenden Ruhrbrücke und weiter nach Bochum und Essen. Für die wirtschaftliche, aber auch für die politische Entwicklung Hattingens wird dieser Flussübergang wohl eine bedeutende Rolle gespielt haben.

Es ist nicht auszuschließen, das der Weiler Bezirk, der östlich an den Marktbereich grenzt, schon im 16. Jahrhundert das Viertel der Kaufleute und Handwerker bildete.

Historisch nachgewiesene Gebäude:

Bruchgut
Vedderen Gut

Zur Siedlungsgeschichte:

Naelman grenzt den Weilerbezirk in etwa wie folgt ein: Er reicht vom südlichen Bruchgut und folgt der südwestlichen Stadtbefestigung bis über das Weiler Tor hinaus hin zum Obermarkt. In seinen Aufzeichnungen beginnt Naelman am Weilertor, folgt der Kleinen Weilstraße bis zum Markt und wieder zum Tor, dann entlang der Großen Weilstraße bis zum Bruchgut und zurück zum Markt. Insgesamt gehören zum Hause Clyff 39 Gebäude dieses Bezirks, wovon 21 nur Häuser, 1 kleines Haus, 15 Haus und Hof, 1 Haus, Hof und Scheune und 1 neues Haus genannt werden. Die am Markt liegenden Gebäude, wie das Gut zum Werwech und das Weinhaus, werden bei Naelman mit zum Weiler Bezirk gerechnet. Das Gut zum Werwech, das zur Hälfte der Stadt Hattingen und zur anderen Hälfte dem Hause Clyff zukommt, wird im Lagerbuch als am Markt liegend geführt. Der Weilerbezirk grenzt also an den Marktbereich an, und Naelman rechnet Teile des Marktes sogar mit zum Weilerbezirk.

Haus- und Familiennamen dieses Stadtteils aus der 1. Hälfte des 16. Jahrhunderts (wie Mesmecker, Koetenbruwer, Vysscher, Koeppersmyt, Schoemeckers, Sloetmecker, Kremer) weisen auf handwerklich/kaufmännische Tätigkeiten hin. In anderen Stadtvierteln trifft man diese Haus- und Familiennamen nicht in der Häufigkeit an, wobei diese Häuser besonders entlang der Kleinen Weilstraße liegen. Es ist nicht auszuschließen, dass zumindest dieser Teil der Weilstraße und der Bereich vor dem Tor schon im 16. Jahrhundert das so genannte Krämersdorf war, wie es im Urkataster von 1824 bezeichnet wird. Dies trifft für die 1. Hälfte des 16. Jahrhunderts jedoch nur für diesen Bereich zu.

Im übrigen Weilerbezirk folgt unterhalb des Marktes das Vedderen Gut, das Gruethues mit seinen Scheunen, der Hof im Langenberch und Wysschers Haus und Hof, so dass man etwa ab Gelinde mit einer ländlich lockeren Bebauung zu rechnen hat.

Auch dieses Gebiet wurde teilweise schon im 16. Jahrhundert aufgesiedelt, so z.B. der Hof im Langenberch, der noch in der 1. Hälfte des 16. Jahrhunderts vom Hause Clyff mit Peter im Langenberch belehnt war und dann in der 2. Hälfte des Jahrhunderts bebaut worden ist. Zur Erschließung des Geländes wurde mittig ein Straßenzug gelegt und links und rechts davon Häuser erstellt. Ähnlich verhält es sich mit dem Gut zum Bartscherer, das wohl zwischen Weilstraße und Untermarkt lag, aber erst im 18. Jahrhundert aufgesiedelt wurde.

Im Bereich vor dem Bruchtor erstreckte sich das Bruchgut. Auch dieses wurde teils im 16. Jahrhundert, teils um 1600 aufgesiedelt. Die spätere Bruchstrasse durchschnitt das ehemalige Anwesen und ermöglichte so die Erschließung einzelner Parzellen. Diese Art der Aufsiedlung wurde auch bei anderen Gütern festgestellt (z.B. Kellergut). Infolgedessen kann kein Haupthandelsweg durch das Bruchgut geführt haben, wie von Eversberg (Eversberg 1965, S. 79) angenommen, die Stadt muss vor der Aufsiedlung anders organisiert gewesen sein.

Das Weilertor mit seinem Weg zur Ruhrbrücke wird unbestreitbar zur Entwicklung dieses Stadtteils beigetragen haben. Nach der Besiedlung zu urteilen, müsste der Hauptweg vom Markt über die Kleine Weilstraße zum Weilertor geführt haben oder über die Gelinde und Große Weilstraße. Die Zuwegung vom Steinhagentor zum Markt ist unklar. Dass das Bruchtor im Stadtgeschehen eine nebensachliche Rolle gespielt hat, zeigt auch schon die Stadteinteilung Naelmans, der seine Bezirke nach den wichtigsten Stadttoren benennt und Holschentor und Bruchtor als untergeordnet einstuft. Erst nach Aufsiedlung des Bruchgutes wurde der "Durchgangsverkehr" zur Ruhrbrücke vom Bruchtor zum Weilertor am Stadtgeschehen vorbeigeführt, wobei vorher wohl zwangsläufig vom Steinhagentor zum Weilertor und vom Heggertor zum Weilertor der Obermarkt überquert werden mußte. Aus diesen Gründen ist es nicht abwegig, wenn sich in diesem für die Stadtentwicklung doch wichtigen Bezirk eine kaufmännisch/handwerkliche Bevölkerung niederließ und das städtische Leben mitgestaltete.