Christian Hartmann: Die Isenburg


Die Geschichte vom Mann ohne Kopf

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In der Gemeinde Welper lagen früher unweit der Siedlung Müsendrei zwei Ackerstreifen, die wegen ihrer seltsamen Lage von alters her der große und kleine Sack genannt wurden. Um diese Äcker war zwischen zwei Bauern einmal ein heftiger Streit entbrannt. Jeder wollte der Be­sitzer des Landes sein. Alle Vorschläge der Nachbarn, sich auf gütlichem Wege zu einigen, halfen nichts. Die beiden trugen den Streit vor das Gericht. Da wurde das Urteil gefällt und einem der beiden Bauern der Acker zugesprochen. Der Bauer aber, der ihn bekam, hatte einen falschen Eid geschworen. Dennoch brachte ihm das Land keinen Gewinn. Das Feld hatte Jahr um Jahr schlechte Ernten; und die geringen Früchte verdarben meistens noch durch Regen oder Hagel.

Als der Bauer gestorben war, bekam er auch im Grabe noch keine Ruhe. Zum Lohne für seine Falschheit mußte er auf dem Lande, das er sich zu Unrecht angeeignet hatte, zur Nachtzeit ohne Kopf umgehen. Er ist schon manchem Bauern begegnet, der zu später Stunde den einsamen Feldweg nach Hause wandert. Andere erzählen, sie hätten ihn des Nachts aus einer nahe gelegenen Rübengrube wehleidig klagen und jammern hören.