Christian Hartmann: Die Isenburg


Ruhr-Sagen - Eine kleine Sammlung

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Nachdem die Ritter des Grafen von der Isenburg den Erzbischof Engelbert von Köln im ündengraben von Gevelsberg getötet hatten, kehrte der Graf mit seinen Mannen auf seine Burg bei Hattingen zurück. Dort lebte auch eine Magd, die von der schrecklichen Tat gegen den Erzbischof erfahren hatte und nun ihren Herrn gern verraten wollte. Der Burgherr drängte ihr aber das Versprechen ab, so lange auf der Isenburg zu bleiben, bis sie ein Paar Schuhe aufgetragen habe, die er für sie machen ließ. Trotz eifriger Benutzung der Schuhe ließen sich keine Spuren von Verschleiß entdecken, denn sie waren aus ganz besonderem Leder angefertigt worden.

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Eines Tages kam eine Handelsfrau auf die Burg und bot dort ihre Ware zum Verkauf an. Dieser Frau klagte die Magd ihr Leid. Darauf entgegnete die Alte: "Stelle die Schuhe eine Nacht unter die Regentraufe, und sie werden wie Zunder auseinanderfallen." Das Mädchen befolgte diesen Rat, und die Schuhe fielen wirklich arn nächsten Tage völlig auseinander. Der Graf entließ die Magd, die dann den Herrn verriet.

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Friedrich von der Isenburg führte stets einen halben Ring mit sich, wenn er die Burg verließ. EHe andere Hälfte des Ringes behielt seine Gemahlin auf der Burg in Gewahrsam. Wollte nun Friedrich wieder in seine Burg zurückkehren, so schob er seine Ringhälfte unter dem Tore hindurch. Diese wurde nun mit der anderen Hälfte zusammengefügt. Paßten beide, so hatte man ein untrügliches Zeichen, daß der Burgherr und kein Verräter vor dem Tore stand.

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Als Friedrich von der Isenburg nach der grauenvollen Tat bei Gevelsberg in seine Burg zurückkehrte, wurde er dort bald von den Rächern gestellt. Die starke Feste auf dem Isenberg wurde belagert, und es gab kein Entkommen mehr. Friedrich aber stieg durch einen langen unterirdischen Gang bis ins Ruhrtal. Dort verschaffte er sich ein Pferd und ließ diesem die Hufeisen umgekehrt an den Hufen befestigen, um die Richtung seiner Flucht zu verwischen. Er entkam über den Rhein und irrte lange Zeit unerkannt umher. Eines Tages wurde er aber doch entdeckt. Als er in einer Herberge übernachtet hatte, wusch er sich an einem Brunnen im Hofe des Gasthauses. Da erkannte ihn eine Magd, die früher einmal auf der Isenburg kurze Zeit gedient hatte, daran, daß er nach dem Waschen auf ganz besondere Weise in die Hände klatschte, wie er es früher immer getan hatte. Sie verriet ihn, und Friedrich wurde den Richtern ausgeliefert.

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Als die Isenburg nach der Flucht des Burgherrn von seinen Belagerern erstürmt worden war, wurden alle Mauern und Türme bis auf den Grund niedergerissen. Alle Schätze und Kleinodien wurden mitgenommen. Nur ein goldenes Spinnrad, auf dem die Schloßherrin selbst den feinsten Flachs gesponnen hatte, fiel nicht in die Hände der Eroberer. Die Burgfrau warf es in den tiefen Schloßbrunnen, aus dem es niemand herausholen konnte.