Christian Hartmann: Die Isenburg


Die Geschichte vom Schatz von Blankenstein

zurück | weiter
Die Sage wurde entnommen aus „Alt-Blankenstein, ein Heimat und Festbuch“.
Herausgegeben zur 700-Jahr-Feier von Burg und Stadt Blankenstein an der Ruhr von Heinrich Wefelscheid und August Weiß.


Ein Handwerksbursche kam in der Winterkälte, müde und hungrig, auf einem Bauernhof bei Blankenstein und bat den Hofherrn um Einlass und Brot. Dieser, ein hartherziger Mann, drohte ihm mit dem Hunde. Da erbarmte sich seine Tochter Roswitha über ihn und bat den Vater: Laß ihn ein! Der hartherzige Mann wies sie barsch zurück. Nach einem Drohwort des Hofherren verlies der Bursch, mit Tränen in den Augen und mit Dankesworten an Roswitha, das ungastliche Haus und zog von dannen durch die schaurige, stürmische Nacht.

Endlich fand er Unterkunft in einem Heuschober und schlief dort bald den Schlaf des Gerechten. Um Mitternacht, als der Bursche gerade im tiefsten Schlafe lag, erdröhnte ein mächtiger Donnerschlag, und erschrocken fuhr der Schläfer in die Höhe. Als er noch so um sich spähte, entdeckte er unter einem Baum den hartherzigen Hofherrn, den er vergebens um Unterkunft und Brot angesprochen hatte. Der hatte eine eiserne Kiste dabei und senkte sie in die Erde. Er beschwor den Schatz darin, wobei er den Teufel anrief und dabei sprach: Bewahre ihn, sein Pfand sei ein schwarzer Ziegenbock. Da fuhr ein Blitzstrahl nieder und wieder erdröhnte ein schwerer Donnerschlag. Alsbald tanzte ein rotes Licht auf der Kiste. Dann wurde es finster, und des Spähers Auge erblickte nichts mehr.

Mit dem Schlafe des Burschen war es für diese Nacht vorbei, denn das Geschaute bewegte zu lebhaft seine Seele. Unruhig und geängstigt wälzte er sich auf dem Lager umher. Als die ersten Morgenstrahlen der aufgehenden Sonne sichtbar wurden, sprang er auf und eilte flüchtigen Fußes davon. Erst als er Blankenstein weit hinter sich hatte, atmete er erleichtert auf.

Darüber waren Jahre ins Land gegangen. Der Burgherr von Blankenstein gab eines schönen Tages ein großes Fest, mit Turnier und Jagd. Bei dieser Gelegenheit verirrte sich ein Jäger und überließ sich endlich ganz und gar der Führung seines treuen Rosses. Auf diese Weise kam er mit der Zeit an ein zerfallenes Bauernhaus. Dem Jäger war es bald eigen zu Mute, es schien ihm, als müsste er an bekannter Stätte sein. Plötzlich fiel es ihm wie Schuppen von den Augen. Er klopfte entschlossen an die Tür. Alsbald wurde ihm aufgetan, und vor ihm stand Roswitha, die schaute ängstlich und befremdet den Jägersmann an. Doch dieser sprach zu ihr: Vor Jahren kehrte in dieses Haus ein Wanderbursche ein und bat um Einlaß und Brot, beides wurde ihm verwehrt; denn der Hofherr war ein hartherziger Mann, aber die Tochter bat für ihn, umsonst. Der Bursche musste hungrig und müde in die Nacht hinaus wandern. Schaut mir ins Auge, Roswitha, der Bursch war ich, und ihr waret diejenige, welche für mich bat und das will ich euch nimmer vergessen.

Roswitha entgegnete ihm: Wie froh bin ich des Wiedersehens. Hört, meinen Vater fanden wir kurz nach jener Sturmnacht tot unter einem Birnbaum liegen. Seit jener Zeit sprechen die Leute allerlei Böses über unseren Hof. Sie sagen, dass es hier nicht geheuer sei, und sie meiden mich und lassen mich allein mit meinem Schmerz. Wie freu´ ich mich, dass ich jetzt wenigstens einen habe, dem ich mich anvertrauen darf. Sei guten Mutes, Roswitha, entgegnete der Jäger, noch bin ich in Eurer Schuld für Euer Mitleid und ich will sie tilgen und Euch einen Schatz weisen, der Euch aller Sorgen entheben wird. Um aber den Schatz zu heben, bedürfen wir eines schwarzen Bocks.

Roswitha schüttelte ungläubig den Kopf, versprach aber, für ein solches Tier Sorge tragen zu wollen. Sie hielt Wort. Spät am Abend gingen der Jäger und Roswitha zum Birnbaum. Den schwarzen Bock brachten sie auch zur Stelle und stellten ihn unter dem Baum. Kaum war dieses geschehen, so wurde der Bock zerrissen. Ein Wetterschlag mit Blitzschein erdröhnte, und eine schwefelgelbe Flamme verzehrte den Bock.

Wie betäubt stand Roswitha an des Jägers Seite. Aber während die beiden noch stillschweigend beisammen standen, wurde eine eiserne Kiste sichtbar. Der Jäger nahm sie an sich und trug sie davon und fand darin Gold und Silber. Das ist Dein, Roswitha, nimm es hin, sprach der Jäger, aber diese weigerte sich und entgegnete: Was nützt mich aller Reichtum der Welt, wenn ich mein Glück nicht mit einer Menschenseele teilen kann. Gerührt fiel der Jäger ein: So laß uns Reichtum, Freude und Leid im Leben miteinander ehrlich teilen und auch der Armen gedenken, Roswitha, werde mein Weib! Schweigend sank sie dem Jäger in die Arme, und beide wurden ein glückliches Paar.